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Full text of "Feste des Lebens und der Kunst : eine Betrachtung des Theaters als hochstein Kultursymbols"

PETfeR BEHRENS 



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PERKINS LIBRARY 

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FESTE DES LEBENS 
UND DER KUNST 



EINE BETRACHTUNG DES 

THEATERS ALS HÖCHSTEN 

KULTURSYMBOLS 




FESTE DES 

LEBENS UND 

DER KUNST 

EINE 

BETRACHTUNG 

DES THEATERS 

ALS HÖCHSTEN 

KULTURSYMBOLS 






le ärgern sich, jene 
falschen Prophe- 
ten, dass sie nicht 
Recht behielten mit 
ihrer Weisheit: es 
wird keinen neuen 
Stil in der Kunst 
geben, nie wird es 
ihn geben, er muss 
sich aus dem alten 
ergeben, man kann ihn nicht erfinden. 
In letztem hatten sie nicht Unrecht. 
Jetzt haben wir Anzeichen, dass es 
ihn geben wird, nicht aus dem alten 
entstanden, dass er zum Teil schon 
da ist, wenigstens im Anfang. Man 
muss freilich offne Augen haben und 
einen freudigen Willen und den Glau- 
ben an die Schönheit, dann wird 
man erkennen, dass etwas im Werden 







ist, was unsrem Leben tiefer ent- 
spricht als jene gesucht bizarren For- 
men, die äusserlich „modern" er- 
scheinen und meist nur die leichte 
Ware von Leuten sind, denen das 
Neue rasch zum Erwerbsmittel wird. 
Man mag diese Erzeugnisse benennen 
nach Zeitschriften oder Künstlergrup- 
pen, man schmälert nicht das Ver- 
dienst der Schaffenden und adelt nicht 
die Bemühungen der Macher. Die 
Mode geht ihre lächerlichen Kurven. 
Das, was im Werden ist, wirkt inner- 
licher und wird weder willkürlich er- 
funden noch spielerisch aus Altem zu- 
sammengestellt. Wir sind ernst ge- 
worden, wir nehmen unser Leben be- 
deutsam, die Arbeit steht uns hoch 
im Wert. Wir haben viel gearbeitet und 
viel gewertet und sind des Spielens 






überdrüssig, des Spielens mit den alten 
Zeiten. Wir haben durch die Arbeit 
gelernt unsre Zeit, unser eignes Leben 
verstehen; was soll uns da die Maske- 
rade mit längst verflossenem, uns un- 
verständlichem Leben! Wir erkennen 
den Nutzen unsrer Arbeit und schaffen 
uns nützliche Werte. Wir fühlen, dass 
wir für das praktische Leben etwas 
erreicht haben, was nie da war und 
was nicht verlierbar ist, und dieses 
Gefühl stimmt uns froh. Eine Berech- 
tigung auf Freude, auf eine wohlange- 
wandte Ruhe, auf einen verdienten 
Lohn für unsre Arbeit macht sich fühl- 
bar. Da ist wohl klar, dass der ernste 
Mann mit seiner grossen Lust zur 
schweren Arbeit keine Freude hat an 
jenen Spielen und romantischen Träu- 
men. Er will das, was er um sich sieht, 





was er sich nützlich geschaffen hat, 
in einer Form, die seine Bestimmung 
betont. Er will bei seiner Arbeit sein 
Werkzeug gut imstande haben, und 
nichts soll seine Arbeit stören. Er will 
für seine Ruhe die Behaglichkeit, für 
seine Freude jenen echten Glanz wie 
Lächeln eines tüchtigen Menschen. Sei- 
ne Freude ist gediegner geworden, es 
ist nicht mehr die Lust zum Nichtigen, 
die Albernheit im Niedrigen, es ist die 
starke Freude an ernsten Dingen. Es 
ist das Lachen aus der vollen Brust, die 
Sicherheit des festen Willens, das Ver- 
trauen auf sich und seine Zeit. Wir ha- 
ben uns und unsre Zeit erkannt, unsre 
neuen Kräfte, unsre neuen Bedürf- 
nisse. Wir können unsre Kräfte be- 
tätigen, unsre Bedürfnisse befrie- 
digen. Wir können ein Übriges leisten 






mit unsren Kräften und werden dann 
grössere und höhere Bedürfnisse ha- 
ben, und werden auch diese stark und 
schön befriedigen. Wir gehen einer — 
Unserer Kultur entgegen. ^^==^=^3 
^^ Darum werden wir einen neuen 
Stil haben, einen eignen Stil in allem, 
was wir schaffen. Der Stil einer Zeit 
bedeutet nicht besondere Formen in 
irgend einer besonderen Kunst; jede 
Form ist nur eines der vielen Symbole 
des inneren Lebens, jede Kunst hat nur 
teil am Stil. Der Stil aber ist das Sym- 
bol des Gesamtempfindens, der gan- 
zen Lebensauffassung einer Zeit, und 
zeigt sich nur im Universum aller Kün- 
ste. Die Harmonie der ganzen Kunst 
ist das schöne Sinnbild eines starken 

^^ln unserm rechten Stolz auf unsre 





Zeit, in unsrer Freude über das, was 
einzelne Künste an Neuem schon ge- 
schaffen haben, im Vertrauen auf das, 
was besseres noch zu schaffen ist, und 
anregend für uns zu höheren Zielen, 
wollen wir nun ein Haus errichten, das 
der gesamten Kunst eine heilige Stätte 
sein soll, ein Sinnbild unsres Über- 
schusses an Kraft, zur Feier unsrer 

SAm Saum eines Haines, auf dem 
Rücken eines Berges soll sich dies fest- 
liche Haus erheben. So farbenleuch- 
tend, als wolle es sagen: Meine Mauern 
bedürfen des Sonnenscheines nicht! 
— Seine Säulen sind umkränzt, und 
von sieben Masten wehen lange weisse 
Fahnen. Auf der hohen Empore stehen 
Tubenbläser in glühenden Gewändern 
und lassen ihre langgezogenen Rufe 





weit über das Land und die Wälder 
ertönen. Es öffnen sich langsam die 
grossen Thorflügel, und man tritt hinein 
in den hohen Raum. Hier sind alle Far- 
ben tiefer gestimmt, wie zur Sammlung. 
Hatten wir unten in unsrer gewohnten 
Umgebung alles so gestaltet, dass es 
Bezug auf unser tägliches Leben habe, 
auf die Logik unsrer Gedanken, auf 
unser sinnliches Zweckbewusstsein, 
nun erfüllt uns hier oben der Eindruck 
eines höheren Zweckes, ein ins Sinn- 
liche nur übersetzter Zweck, unser 
geistigstes Bedürfnis, die Befriedigung 
unsrer Übersinnlichkeit. Der Formen 
überwältigende Kühnheit, der Einklang 
der Farben, Wohlgerüche feierlicher 
Art, das Brausen der Orgel, jubelnde 
Geigen, das Siegesbewusstsein der 
Trompeten: Alles eröffnet unsre Seele 





einem zweiten, ihrem ewigen Leben. 
Wir sind grösser, umfassender, klarer 
geworden ; wir haben die Unzulänglich- 
keiten des Lebens vergessen, wir ha- 
ben die Kleinheiten der Seele verges- 
sen, wir haben vergessen, dass vieles 
hässlich war durch unsre Schuld. Wir 
wissen nicht mehr, dass es Neben- 
sachen gab; wir wissen nicht mehr, 
dass das Leid nur traurig war, wir se- 
hen alles im Zusammenhang. Wir sind 
geweiht und vorbereitet für die grosse 
Kunst der Weltanschauung! Und nun 
entrolle sich das Spiel des Lebens: Wir 
selber spielen es, das schöne Schau- 
spiel unsrer ernsten Freude! ^^^^s 
^^ Das Theater, wie wir es jetzt noch 
gewohnt sind, nimmt seine Zuschauer 
in einen Raum auf, der so in enge Plätze 
und Logen zerteilt ist, dass jeder Zu- 



13 






schauer möglichst guten Einblick in die 
guckkastenartige,perspektivische Büh- 
ne erhält. Es verfolgt als oberstes Prin- 
zip, dem Zuschauer eine Illusion zu ge- 
ben: die Illusion der Natur, der Natür- 
lichkeit in Handlung und Umgebung. 
Man soll für kurze Zeit an das wirkliche 
Geschehen der Dinge auf der Bühne 
glauben. Man braucht sich nur klar 
hierüber zu werden, und es lässt sich 
nichts erdenken, was so kunstwidrig 
anmutet, wie diese Panoptikums-Idee. 
Zu alledem gelingt es nie, die Natürlich- 
keit wirklich zu erreichen; es gebricht 
überall, die Bäume wackeln, die Wände 
zittern, die Felsen sind weich wie Flaum- 
pfühle, die Höhle ist so hoch wie ein 
Schlosssaal, und so fort. Uns beschleicht 
ein niederdrückendes Gefühl unsrer 
schwachen Kraft gegenüber der Grösse 




der Natur. Es ist ein trauriges Prinzip, 
ein Prinzip des Gruselmachens, der 
Sensation für den niederen Geschmack. 
^^ Soll nun dasTheater keine Illusion 
geben? Gewiss! es soll, denn es k a n n 
eine geben. Aber nichtdie unmögliche 
der Natur, sondern die der Erhaben- 
heit über sie: Kultur heisst diese Illu- 
sion! Wir sollen uns nicht aus der Wirk- 
lichkeit, aus der wir im alten Theater 
— der Kunst sei's geklagt — nie heraus- 
kamen, in eine andre Wirklichkeit ver- 
setzt fühlen, sondern eben ins Reich der 
Kunst, durch Sinnbilder unsrer Geistes- 
kultur. Wir wollen nicht durch die Büh- 
nenvorgänge in der Richtung des Roh- 
stoffs ergriffen werden, wir wollen da 
nicht mitweinen, mitlachen, uns immer- 
fort mitfürchten müssen, wir wollen 
nicht gerührt sein durch all die senti- 





mentalen Motive, die uns tagtäglich viel 
näher berühren, wir wollen an ihnen 
die Kraft der Kunst ermessen. Wir 
wollen erhoben werden durch die 
Kunst, durch die der Dichtung wie der 
Darstellung, über dieroheNatur hinaus! 
Stücke dieser Art sind vorhanden, so- 
wohl in den neueren wie älteren Dich- 
tungen. DieKunststarkerSeelen will nur 
dies Eine: das Erheben. Dann werden 
unsThränen kommen vor Begeisterung, 
wir werden erschüttert sein durch die 
Gewalt der Phantasie und des Rhyth- 
mus, uns wird vielleicht grauen vor 
unsrer eignen Entrücktheit, aber mit 
den Motiven sind wir versöhnt. Es 
wird das Traurige eines Schauspiels 
uns nicht nachgehen, wir werden das 
Festhaus heiter verlassen. Der kapri- 
ziöseste Humor wird uns nicht kitzeln, 







die Grösse seiner Kunsi steht über 
seiner physischen Wirkung. Der Shake- 
speare'sche Humor macht uns nicht 
lachen, er stimmt uns ernst durch sei- 
nen Geist. Durch unsre Begeisterung 
sind wir Mitkünstler geworden,wirsind 
nicht abwartende Zuschauer mehr,wir 
sind von der Schwelle an Teilnehmer 
an einer Offenbarung des Lebens. ^^ 
^^ Der Raum für diese Teilnehmer 
liegt in amphitheatralischer Anordnung 
um eine flache Bühne herum, eine 
Bühne für reli ef artige Wirkung, mit 
vorspringendem Proscenium. Hiervor, 
ähnlich der griechischen Orchestra, ist 
der vertiefte Platz für die Musik, soweit 
diese — wie bei der Oper — in Bezie- 
hung zu dem Drama steht. Lebende 
Blumen, ein blühender Garten, ver- 
wehren das Gefühl der Abgeschlossen- 





heit. Die Sitze sind so gestellt, dass der 
Verkehr zwischen allen Plätzen er- 
möglicht bleibt. Wir wollen gesellige 
Menschen bleiben, und froh sein uns- 
res schönen Lebens, uns nicht nach 
dem Schluss sehnen, um aufatmen zu 
können. In den längeren Pausen ver- 
weilen wir in einem hellen Raum, oder 
aufderTerrasse mit dem Ausblick über 
Thäler und Berge, über die Stadt mit 
ihrem ernsten Treiben. Wir wollen uns 
nicht an bestimmte Spielstunden bin- 
den, es kann Tag sein oder Abend. Wir 
werden das Tageslicht durch ge- 
dämpfte Scheiben einfallen lassen und 
einen Akkord finden mit dem künst- 
lichen Licht. Harmonisch wie unsre 
Stimmung sei dieser Raum. Der Über- 
gang zur Bühne, der bisher durch das 
Orchester und die Rampe vom Raum 





der Zuschauer abgeschnitten war, soll 
jetzt durch eine ansteigende Terrasse 
vermittelt werden. Wir wollen uns 
nicht trennen von unsrer Kunst. Das 
Proscenium, der wichtigste Teil unsrer 
Bühne, ist im baulichen Gedanken voll- 
kommen vereinigt mit dem Saal. Da- 
hinter in grösserer Breite als Tiefe, 
schliesst sich die Bühne an. Die grös- 
sere Ausdehnung in die Breite bedingt 
die reliefartige Anordnung und relief- 
artige Bewegung der Gestalten und 
Aufzüge. DasRelief ist der markanteste 
Ausdruck der Linie, der bewegten 
Linie, der Bewegung, die beim Drama 
alles ist. Wie der grosse Raum in allen 
Teilen der Dichtung entsprechend ab- 
gestimmt ist, so treffen auf der Bühne 
die Farben und Formen dieser Stim- 
mung gleichsam zu ihrem Glanzpunkt 



19 





zusammen. Die gleiche Architektur 
setzt sich dort fort. Es sind an den 
Seiten keine Coulissen, die dem Stück 
eine scheinbar natürliche Umgebung 
verschaffen, es sind Wände, die rein 
durch Schönheit die Erhabenheit des 
Bodens kennzeichnen. Es sind keine 
Soffiten da, die den Schall verschluk- 
ken; die Decke soll klar dem Wohllaut 
dienen, in edler Wölbung zum Ganzen 
strebend. Der Hintergrund wird sei- 
nem Wesen gemäss lediglich so aus- 
gefüllt, dass er die Stimmung der Hand- 
lung, der bewegten Handlung unter- 
stützt. Der Ort des Stückes und die 
Zeit und alle andern Nebenumstände 
liegen schon in der Kunst der Dichtung. 
Der Geniessende schafft sich ein herr- 
licheres Bild durch seine teilnehmende 
Phantasie, als es Leinwand oder Bret- 





terverschläge auch nur von ferne er- 
reichen können. Die Sonne, die aus 
Versen strahlt, muss ihre Glut verlieren, 
wenn man wagt, sie plump auf die 
Wand zu malen. ^^^^^^^^^^^^^ 
^^ Was Dichtermacht in höhereSphä- 
ren rückt, das sollen wir nicht durch 
nahe Mittel unterstützen wollen. Wohl 
muss verlangt werden, dass die Kunst 
der Dichtung uns wahrhaft künstle- 
risch vorgetragen werde. Der Mangel 
an Verständnis hierfür geht nun leider 
Hand in Hand mit dem Überfluss an 
Scenerie. Der Schauspieler von heute 
steht zu einem Teil in einer Tradition, 
die nichts als Tradition vorstellt, zum 
andern im Naturalismus. Denn wie 
überall in der Kunst, so verdrängt 
auch in der Schauspielkunst die Natur 
den- entarteten Stil; aber wie überall, 






so ist auch hier die Natur noch keine 
Kunst. Die Aufgabe des Schauspielers 
ist, mehr zu geben als eine richtige 
Naturbeobachtung. Es ist nicht schwer 
für einen Menschen mit Nachahmungs- 
talent, eine Maske vorzunehmen und 
einen gut beobachteten Charakter wie- 
derzugeben;. wenn es auch nicht jeder 
kann, so ist es doch noch keine Kunst. 
Das Künstlerische beginnt da, wo eine 
Erscheinungzur selbstherrlichen Form 
vereinfacht,, das umfassende Sinnbild 
aller ähnlichen Erscheinungen wird. 
Der Mensch soll Kulturschöpfer auf 
der Bühne werden, ein Künstler, der 
selbst sein Material ist, aus sich heraus 
und durch sich Edleres schafft. Schön 
muss er durch seine Begeisterung wer- 
den, wenn er vor uns tritt. Schön sei 
seine Sprache, und vor allem gebe er 






die Schönheit der Dichtung wieder. Er 
spreche rhythmisch, er spreche Verse 
metrisch. Wir verbitten uns, dass man 
unser Verständnis durch die absicht- 
liche Verdrehung der Verse in Prosa 
zu erleichtern glaubt. Wir verstehen 
die Kunst als Form und wollen diese 
in der meisterlichsten Art. Schön sei 
seine Bewegung, ein jeder Schritt, ein 
jeder Griff sei eine künstlerisch über- 
setzte Form. Der Schauspieler stehe 
über seiner Rolle, er verdichte sie, bis 
alles Pathos ist und Pose. Nicht das 
Pathos und die Pose irgend einer Büh- 
nengrössederTradition, sondern seine 
eigne starke Form, sein Schönheits- 
ideal, sein Stil. Seine Bewegungen sol- 
len rhythmisch sein wie die Sprache 
seiner Verse. Seine Bewegungen sollen 
selbst eine Formdichtung werden. Er 







wird ein Meister des Tanzes werden, 
eines Tanzes, wie wir ihn als schöne 
Kunst kaum noch kennen: als Aus- 
druck der Seele durch den Rhythmus 
der Glieder. Zu einer Aufführung in die- 
ser Auffassung der Schauspielkunst ist 
selbstverständlich mehr nötig als das 
gute Verständnis einzelner Personen. 
Das Gesamtspiel ist es, was die Auf- 
führung erst zu einer künstlerischen 
Erscheinung macht, der Rhythmus des 
ganzen Stückes. Um ein solches Ideal 
zu erreichen, sind wir gezwungen, von 
vorn zu beginnen. In unserm ernsten, 
seltsam eigenwilligen Volk — sagen 
wir es mit Stolz: in unserm Volk der 
Genies — wachsen junge Menschen 
heran, deren Herz schlägt vor Begeis- 
terungfür die Bretter, die die Welt be- 
deuten. Sie wollen wir rufen, sie bitten, 







mit uns zu arbeiten an dem Werden 
eines grossen Stils. Wir wollen sie leh- 
ren, keine Routiniers zu werden, wir 
wollen Künstlerin des Wortes erhaben- 
ster Bedeutung aus ihnen machen, und 
sie werden zeigen, dass es eine Kunst 
giebt über die Natur hinaus, eine Kunst 
der Geisteskultur. ^^^^^^^^^^^ 
^^ Sie ärgern sich, jene falschen Pro- 
pheten, dass sie nicht Recht behielten: 
es wird keinen neuen Stil in der Kunst 
geben. Sie ärgern sich, weil sie sich 
irrten. Sie irren sich wieder, wenn sie 
behaupten: es wird keinen neuen Stil 
inderBühnenkunstgeben. Sie werden 
sich wiederärgern. Sieirren undärgern 
sich immer. Wir aber sind glücklich und 
freuen uns, dass wir in einer Zeit ste- 
hen, wo wieder ein starker Wille lebt 
und der Glaube an die Schönheit. ^^ 




GESCHRIEBEN IM 

JUNI DES JAHRES 

NEUNZEHNHUNDERT 

UND DANN GEDRUCKT 

UND TYPOGRAPHISCH 

AUSGESTATTET IN DER 

C.F.WINTER'SCHEN 

BUCHDRUCKEREI 

IN DARMSTADT